NEUES 4#: Das Ende der Kooperationen?
(von Matthias Fellner, Kommunikationsstratege bei firmamente)
Wieso gibt es eigentlich so wenig gut funktionierende Kooperationen zwischen den Akteuren der Nachhaltigkeitsbranche? Gibt es bei den zunehmenden sozialen und ökologischen Problemen weltweit nicht genug Anlass, sich zusammenzutun und gemeinsam für einen gesellschaftlichen Wandel zu kämpfen? Ist das nicht ein großes Potential gegenüber der von Konkurrenz geprägten freien Wirtschaft?

Bei der Entwicklung der Klimapiraten-Kampagne haben wir Anfangs viel Hoffnung in die Vernetzung von verschiedenen NGOs im Rahmen der Klimakonferenz in Kopenhagen gesetzt. Neue Akteure wie z.B. AVAAZ oder 350.org planten zeitgleich Ihre Aktivitäten, und auch etablierte NGOs zeigten schnell Interesse an einer Zusammenarbeit. Das Fazit nach zwei intensiven Kampagnenjahren 2009 und 2010 war jedoch ernüchternd. Der Großteil der angestrebten Kooperationen war geplatzt, und viel Zeit war mit Gesprächen und Verhandlungen vergangen – mit sehr wenig fruchtbaren Ergebnissen. Mehr und mehr hatte sich gezeigt, dass die individuellen Interessen der einzelnen Organisationen wie beispielsweise Medienaufmerksamkeit, neue Kontaktadressen oder der Zugang zu Fördermitteln doch wichtiger waren als die möglichen Synergien zum Erreichen gemeinsamer Ziele.
Ist es tatsächlich so schwer, das Potential von Kooperationen zu nutzen, um gemeinsam soziale und ökologische Ziele zu erreichen?
In den letzten Jahren haben sich für mich ein paar erfolgsversprechende Kooperations-Strategien herauskristallisiert, die einige der genannten Herausforderungen berücksichtigen:
TRANSPARENTE KOOPERATIONSRICHTLINIEN
Organisationen wie z.B. Campact zeigen nicht nur großes Interesse an Kooperationen, sondern formulieren auch sehr klare Wege, wie diese konkret aussehen können. Das führt dazu, dass jeder potentielle Partner sehr schnell herausfinden kann, ob eine Kooperation für ihn tatsächlich interessant ist, ohne dass viel Zeit in individuelle Verhandlungen investiert wird.
ZIELGRUPPENKOOPERATIONEN
Kooperationen funktionieren auch gut, wenn durch die Kooperation insbesondere solche Zielgruppen erreicht werden, die keiner der involvierten Partner bisher alleine erreicht. Mit der KLEINEN DESIGNWERKSTATT hat beispielsweise firmamente mit Andrea Nienhaus ein Kooperationsmodell entwickelt, um Selbständige und AktivistInnen zu erreichen, für die wir bisher sonst keine Angebote hatten.
OFFENE KOOPERATIONSTERMINE
Die global agierende Organisation 350.org oder der Jour-Fixe der Berliner Nachhaltigkeitsinitiativen haben bewiesen, wie erfolgreich Kooperationsangebote funktionieren können, die sich auf einen bestimmten, im Voraus festgelegten Termin fokussieren. An dem „Global Day of Action“ von 350 konnten beispielsweise Organisationen teilnehmen, die gemeinsam zum Thema Klimawandel medienwirksam tätig werden wollten. 350.org hatte den Termin viele Monate im Voraus festgelegt und gestreut und damit ebenso unproblematische wie medial stark wirksame Zusammenarbeit von weltweit über 5.000 Akteuren ermöglicht.
Jede 1-2 Monate berichten wir über neue Themen aus der Nachhaltigkeitskommunikation und von unserem Weg zu neuen Zielgruppen. Die Artikel können hier als RSS-Feeds abonniert werden.

















